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Thema: Disaggregated COT-Report
Das Thema hat 266 Beiträge:
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peterg  Am: 11.05.2013 14:57:47 Gelesen: 2791# 242 @  
Ja mit diesen Daten wird in der nächsten Zeit geplant.
Das würde bedeuten, dass die knappen Lagerbestände ind den USA und weltweit deutlich aufgefüllt werden.



Eine wichtige Frage m. E. ist, ob/wann gewinnbringend die extreme Inversion der Futurekontrakte bei Mais und Soja aufgelöst werden.



Wenn man sich die COT-Charts ansieht, so fällt auf, dass die Managed Money-Positionen bei Mais bereits deutlich stärker short ausgerichtet sind als bei Soja (roter Kreis).
Aufgrund der Backwardation notieren die Kontrakte der neuen Ernte natürlich bereits deutlich niedriger. Ich habe das eingezeichnet.
Die Frage besteht natürlich ob es noch wesentliches Abwärtspotential gibt?
Vielleicht ist es dazu hilfreich sich verschiedene Preisniveaus anzusehen (habe mal mit schwarzen Rechtecken meiner Phantasie freien Lauf gelassen).


 
Myrrdin  Am: 11.05.2013 15:46:31 Gelesen: 2786# 243 @  
@ peterg [#242]

Die Fonds sind meines Wissens vor allem in den zeitnahen Kontrakten investiert. Diese betreffen die alte Ernte. Für Aussagen betreffend die neue Ernte haben die COT-Daten meines Erachtens nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft.

Ich sehe bei den Soybeans die Kontrakte für alte bzw. neue Ernte fast wie zwei unterschiedliche Commodities. Die Wechselwirkungen zwischen diesen Kontrakte halten sich in engen Grenzen.

Die extreme Inversion der Futureskontrakte wird sich irgendwie auflösen, und wir werden in den kommenden Wochen in diesem Zusammenhang bei der alten Ernte noch kräftige Preisbewegungen sehen. Ich halte mich von diesen Kontrakte seit dem USDA-Report vollkommen fern. (Zuvor hatte ich noch den SMN-SMZ-Spread als Absicherung meiner Shortpositionen im SX gehalten.) Den SX wird die Auflösung dieser Inversion meines Erachtens weniger treffen - zumindest aus den Augen eines mittel- und langfristigen Händlers.

Mit besten Grüßen, Myrrdin
 
peterg  Am: 11.05.2013 18:00:20 Gelesen: 2772# 244 @  
"Die Fonds sind meines Wissens vor allem in den zeitnahen Kontrakten investiert"

1. Schau Dir mal den Legacy Report an. Da sieht man gut wie viele Kontrakte die "Non-Commercials", also die Spekulanten in der neuen und alten Ernte haben.
2. Die Lagerbestaende an Mais und Soja sind momentan in den USA sicher sehr niedrig. Glaubst Du wirklich, das die Hedgefonds (Managed Money, = rote Charts) eine derart grosse Shortposition z.b. bei Mais in diesen Kontrakten der alten Ernte halten?
 
Myrrdin  Am: 11.05.2013 18:25:58 Gelesen: 2766# 245 @  
@ peterg [#244]

1. Stellst Du bitte einen Link auf den Legacy Report herein ? Finde beim Googeln nur Infos betreffend Saatgut.

2. Gemäß den Unterlagen von Floyd Upperman sind die Funds in Corn 337.000 Positionen long, 204.000 Positionen short. In Summe also nach wie vor long positioniert. Die Shortpositionen bauen sie seit Anfang Dezember 2012 auf - seither ist der Preis zurückgegangen. Gleichzeitig haben die Funds ihre Shortpositionen ausgebaut (und die Longpositionen geringfügig reduziert). Viele Funds folgen dem Trend, und der weist seit Ende August 2012 gen Süden.

Die Zahlen von Upperman unterscheiden sich von den Deinen. Für Juli 2012 weist er beispielsweise für Corn ca. 100.000 Shorts aus.

Mit besten Grüßen, Myrrdin
 
peterg  Am: 11.05.2013 22:10:42 Gelesen: 2752# 246 @  
@ Myrrdin [#245]
Die COT-Daten kann man sich am besten im Original von der Seite der CFTC herunterladen:
http://www.cftc.gov/MarketReports/CommitmentsofTraders/index.htm
Hier auf der offiziellen, amtlichen Seite hole ich mir die Daten.

Hier kann man im Legacy-Report die Daten der "Noncommercials" bzw. im Disaggregated Report die Daten der "Managed Money"-Gruppe ansehen. Differenziert nach "old" und "other".
Die von Dir genannten Daten fuer Mais duerften sich auf den "Futures only" Bericht beziehen. Ich betrachte nur den "Futures and Options" Bericht.

Die CFTC gibt im COT-Bericht keine Angaben zu den Positionen der einzelnen Monate z. b. Juli.
 
Myrrdin  Am: 12.05.2013 06:23:48 Gelesen: 2739# 247 @  
@ peterg [#246]

Vielen Dank für den Link.

Du hast Recht, die Funds halten bei Mais in der neuen Ernte zwar weniger Positionen als in der alten Ernte, sind aber auch in den neuen Ernte stark enagiert. Hätte ich nicht gedacht.

Kann sein, dass Upperman den "Futures only"-Report verwendet. Habe auf die Schnelle keinen entsprechenden Hinweis auf seiner Site gefunden.

Mit besten Grüßen, Myrrdin
 
peterg  Am: 13.05.2013 12:38:32 Gelesen: 2674# 248 @  
Mich würden die internationalen, fundamentalen Einschätzungen für Sojabohnen im Jahr 2013/2014 interessieren.
Die USDA gibt ja neue Rekorde aus.
Auf der einen Seite heißt es, wie ja schon oft, das größere US-Anbauflächen von Mais oder aufgegebenen Weizenflächen zu Soja bei 44,5 b/a wechseln. Man wird sehen wie viel da letztendlich rauskommt.
Andererseits wurden die Erträge in Südamerika selbst in den letzten Wochen etwas zurückgenommen. (Conab 81,51 gegen USDA 83,5 und für Arg. Buenos Aires Bolsa de Cer. 48,5 gegen USDA 51)
Auch weist etwa Oilworld auf: "looming pronounced increase in Chinese soybean import requirements..." hin. (Habe leider nicht das kostenpflichtige Abo dazu, deshalb meine Frage!).

Vielleicht liest BRE das und könnte uns seine Einschätzung geben?
 
Bre  Am: 13.05.2013 14:59:43 Gelesen: 2653# 249 @  
@ peterg [#248]

Lese auch nur die kostenfreien Seiten . . .

Zur Vermeidung von Missverständnissen sei vorausgeschickt, dass die weitgehend abgeschlossenen südamerikanischen Rekordernten grundsätzlich zum Wirtschaftsjahr 2012/13 zählen. Die Schätzungen für 2013/14 mit den südamerikanischen Ernten im Frühjahr/-sommer 2014 haben rein statistischen Wert, ausschließlich ermittelt mit Hilfe von Trendanalysen. Die südamerikanische Aussaat beginnt erst mit dem Monat Sept 2013. Die Trends in Südamerika deuten grundsätzlich auf mehr Sojaanbau hin, während in den USA der Maisanbau im Vordergrund steht, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Der Aussagewert der Trends bleibt daher sehr begrenzt.

In der augenblicklichen Phase tut man aus fundamentaler Sicht gut daran, den Blickwinkel auf den Sojamarkt zunächst auf den Rest dieses Kalenderjahres zu beschränken und erst ab Aug/Sept 2013 weiter vorauszuschauen.

Brasilien soll nach USDA-Schätzungen immer noch 83,5 Mio. t ernten, obwohl der weniger stark bebaute Nordosten etliche Probleme mit den Niederschlägen gehabt hat. Andere Schätzungen liegen knapp darunter. Argentinien soll nach USDA-Schätzung bei 51 Mio. t bleiben, aber im eigenen Lande lauten die Schätzungen eher etwas unter 50 Mio. t. Paraquay und Uruguay zusammen werden auf gutem Durchschnittsniveau bleiben. Insgesamt kann die südamerikanische Ernte mit guten 45 Mio. t höher eingestuft werden als das Ergebnis 2011/12 mit der verheerenden Trockenphase.

Abweichend von früheren Jahren verursachen in diesem Jahr Lieferverzögerungen durch Engpässe bei den Schiffsverladungen in Brasilien und inflationsbedingte Verkaufszurückhaltungen der argentinischen Farmer Schwierigkeiten in der Versorgung mit Wirkungen weit ins Folgewirtschaftsjahr hinein. Mit einer Verzögerung von mehr als einem Monat wird immer noch gerechnet. Auf der Nachfrageseite besteht weltweit eine sehr knappe Bevorratung, so dass Verbraucher zu jedem Preis kaufen müssen.

Der höhere Anfangsbestand 2013/14 fällt mit +8 Mio. t hoch aus, dürfte aber im Wesentlichen eine Folge der Lieferverzögerungen aus Brasilien und Argentinien sowie stagnierender Einfuhren aus China sein.

Die zum Wirtschaftsjahr 2013/14 zählende nordamerikanische Sojaernte schätzt das USDA auf über 92 Mio. t (Vorjahr 82 Mio. t, Vorvorjahr 84 Mio. t, Vorvorvorjahr 90,5 Mio. t). Die Aussaat der Hauptfrucht steckt aber noch in den Anfängen. Der verspätete Vegetationsbeginn dürfte generell zu mehr Soja- anstelle von Maisanbauflächen beitragen, aber gleichzeitig den Zweitfruchtanbau von Soja nach später und schwächerer Weizenernte verringern. Entscheidender als der reine Termin sind aber die Bodenfeuchtigkeit bzw. Niederschlagsverhältnisse sowie die Preisaussichten Anfang/Mitte Jun-13. Den stärksten Einfluss auf das Ernteergebnis und die Kursentwicklung haben aber die Flächenerträge, die entscheidende Ertragsbildung findet im Aug.-13 statt.

Auf der Verbrauchsseite ist vorerst mit zunehmenden südamerikanischen Verschiffungen über 10 Mio. t je Monat hinaus zu rechnen. Die Exportkonkurrenz einer großen „kleinen“ Maisernte (Safrinha) spielt ebenfalls noch eine Rolle. Sojaimportwünsche Chinas und auch anderer Länder werden auf die Geduldsprobe gestellt. Die chinesischen Vorratsbestände sind nach Oil World bereits spürbar geschrumpft. Die Inlandserzeugung wird seit Jahren zugunsten von Mais hinten angestellt. Die chinesischen Schweinebestandszahlen steigen 2013 um 4 %, unklar bleibt der Vogelgrippeeinfluss auf die Sojanachfrage. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit an Bohnen könnte sich das aufgestaute Importverhalten Chinas und auch anderer Länder zu den Spätsommer-/Herbstmonaten wieder deutlich ändern.

Die Rapsernte soll weltweit um 2 Mio. t durch je 1 Mio. t mehr in Kanada und in der EU zunehmen. Der zusätzliche Verbrauch fällt etwas höher aus, so dass die Endbestände geringfügig abgebaut werden. Relativ hohe Rapsskurse haben aber nur begrenzten Einfluss im Ölsaatenmarkt.

Maßgeblichen Einfluss im Ölsaatengeschäft hat der Palmölmarkt mit einem Drittel Produktionsanteil und einer außerst preiswerten Ölkursnotierung. Die Palmölproduktion soll um 9 % - fast ausschließlich in Indonesien - steigen; der Verbrauch bleibt jedoch dahinter zurück, so dass die Endbestände weiter auf eine Höchstmarke klettern, die doppelt so hoch wie im Jahre 2008/09 sein soll. Das drückt auf die Preise pflanzlicher Öle und die Notierungen der zugehörigen Ölsaaten.

Für den Oktober 2013 rechnet auch das USDA mit einer hohen Konzentration des Angebotswettbewerbs aus den verzögerten südamerikanischen Lieferungen, die mit einer überdurchschnittlich hohen Ernte aus den USA zusammentreffen können. Trotz Nachholbedarf bei Ex- und Import könnte daraus zeitweise eine schwache Preissituation erwachsen. Inwieweit zu diesem Zeitpunkt bereits die südamerikanische Aussaat beurteilt („La Nina“?, „El Nino“?) werden und Einfluß nehmen kann, ist heute nicht konkret begründet zu beantworten.

MfG Bre
 
peterg  Am: 14.05.2013 20:43:06 Gelesen: 2539# 250 @  
@ Myrrdin [#247]

Das hat mich heute interessiert:

http://www.cnbc.com/id/100721458
http://www.igc.int/en/grainsupdate/igcfreight.aspx
Bei den gegenwärtigen Kursen erscheint es wohl lukrativ Sojabohnen aus Südamerika in den USA zu importieren.

Ich habe Dir auch mal auf die Schnelle in 2 Charts dargestellt, wieviel Kontrakte Long/Short/Netto die Managed Money-Marktteilnehmer an Kontrakten der alten Ernte (=old) und der/den neuen/hinteren Erntekontrakten (others) halten.
Hoffentlich stimmt alles ;-)
 


Myrrdin  Am: 14.05.2013 22:05:23 Gelesen: 2524# 251 @  
@ peterg [#250]

1. Habe ich ebenfalls vor ein paar Tagen gelesen. Allerdings sind die Zielorte eher küstennah. Es gibt schon auch zahlreiche Verarbeiter im Innenland, für die nordamerikanische Beans nach wie vor günstiger sind. Das ist auch der Grund für die nach wie vor nicht nachgebenden Preise für die alte Ernte. Beans sind in Nordamerika wirklich knapp.

Die neue Ernte ist hiervon allerdings nicht betroffen.

2. Vielen Dank für die Charts. Wenn ich es richtig intertretiere, war das Verhältnis Shorts / Longs für die neue Ernte noch nie so groß wie dieses Jahr, was eine relative Shortpositionierung bedeuten würde. Und im Umkehrschluss eine Longpositionierung der Commercials. Dies würde aus COT-Sicht meiner Short-Positionierung widersprechen. Werde es mir morgen nochmals genauer anschauen.

Mit besten Grüßen, Myrrdin
 
SPOMI  Am: 15.05.2013 17:19:21 Gelesen: 2486# 252 @  
@ peterg [#250]

Danke für die anschaulichen Grafiken. Bei genauerer Betrachtung fällt mir auf, dass die Kurslinien ident sind. Auch wenn alte und neue Ernte ähnliche Kursverläufe an den Tag legen so wäre die obere Grafik mit dem jeweils aktuellen, revolvierenden verketten Frontmonaten und die untere Grafik mit dem jeweilgen Novembermonaten verkettet noch detaillierter. Soll jetzt keine Kritik sein, aber vielleicht lassen sich weitere Rückschlüsse ziehen. Für mich als KurzfristTrader ergab sich schon mal eine gute Abschätzung der Gewinnpotentiale für Folgejahre! Man sieht sehr schön wie das Geld fliesst. Grüsse SPOMI
 
peterg  Am: 15.05.2013 19:44:40 Gelesen: 2471# 253 @  
@ SPOMI [#252]
Ich habe nur die Kurse der Frontmonate erfasst.
Ich denke, das gibt in Zusammenschau mit den Mm-Positionen gute Hinweise.
Wenn Du die Kurse der neuen Ernte ("others) mit dem Novemberkontrakt verknuepfen moechtest, gehst Du davon aus, dass die Mm-Fonds ihre Positionen nur in diesen Kontrakt stecken.
Ich denke, man sollte vielleicht da jetzt nicht zu viel hineininterpretieren.

Ein paar Aussagen sind vielleicht:
-Die Mm-Fonds legen durchaus nach bestimmten Regeln sowohl im aktuellen Erntejahr wie auch in neuen bzw. den hinteren Jahren an.
-Zum Ende des Erntejahres kommt es regelmaessig zu groesserem Rollen der Positionen ins neue Erntejahr.
-Bei Soja erfassen (auf Nettobasis) negative Mm-Positionen im alten Erntejahr in den letzten Jahren regelmaessig Kurstiefs. Aehnlich wie bei den Gesamtpositionen.
-Ab ca. Mai? bauen die Mm-Fonds netto Positionen im alten Jahr bis zum Ende ab. Sogar letztes Jahr reduzierten die Mm-Fonds ihre Positionen der alten Kontrakte und bauten stattdessen Positionen im neuen Jahr aus.

Muss mir mal bei Gelegenheit Weizen und Mais dazu ansehen.
 
SPOMI  Am: 15.05.2013 21:19:31 Gelesen: 2461# 254 @  
@ peterg [#253]

Nach Bauchgefühl wage ich die Prognose: bei Mais schauts ähnlich aus wie bei Soya, detto Soyamehl. Bei beanoil kann ich nix erfühlen, weil ich dort nicht aktiv bin und war. Weizen sollte tendenziell eher anders aussehen. Aber das ist nur das Gefühlte beim kurzen Handel wie Kontrakte so ihr Eigenleben haben. Als Alternativen wären noch im Agrarsektor Raps ICE und Cotton ICE. Aufgrund des Erntezyklus sollte es hier Parallelen zu Soya und Mais geben. Hafer und Reis lassen wir besser weg, da fehlt echt das Volumen, wo man etwas erkennen kann.

Managed Money wird sicher von backwardation vs. contango beeinflusst. In unvolatilen Zeiten ist lt. obiger Grafik der Anteil von MM short höher. Man müsste sich die Arbeit machen und das mit contango und backwardation Situationen abgleichen.

Gute Nacht an die Agrartrader! SPOMI
 
peterg  Am: 19.05.2013 13:33:44 Gelesen: 2302# 255 @  
Gold 14.5.2013

Zunächst die Nettopositionen der Marktteilnehmer:


Sehr schön erkennt man, wie die Commercials (gelb) ihre netto Shortpositionen in den letzten Wochen und Monaten sukzessive abgebaut haben.
Analog haben die Managed Money Positionen (=rot) und auch die Kleinspekulanten (Nonreportables =orange) ihre Gegen-Longpositionen reduziert. Auffällig ist m. E. dass die MM-Positionen auf Nettobasis ihre Positionen in den letzten 4 Wochen nicht mehr weiter, wesentlich verringert haben, obwohl Gold in den letzten Wochen einen massiven Kursverfall mitgemacht hat.

Differenzierter kann man das sehen, wenn man die Long/Shortpositionen der wichtigsten Marktteilnehmer betrachtet:

Man fragt sich bei dieser Entwicklung zunächst, wo denn hier in den letzten Wochen eigentlich der Verkaufsdruck herkam?
Die Commercials haben Gold massiv gekauft und die Managed Money Fonds haben Gold nicht in gleicher Weise verkauft!
Einen Hinweis findet man im obigen Nettochartbild: Ein grosser Teil der Gegenpositionen, (=Verkauf von Goldpositionen) wurde in den letzten Wochen von den Kleinspekulanten (=Nonreportables) und den "Other" eingenommen.

Eine interessante Frage ist jetzt: Geht es weiter bergab.
Die Kleinspekulanten (=orange) halten mittlerweile auf Nettobasis historisch niedrige (erstmalig Short) Positionen. Wobei "historisch" beim Disaggregated COT-Report nur die Zeit seit 2006 umfasst.
Bei der Gruppe der "Other" (=weiß) wäre noch etwas Luft nach unten. Aber das sind eigentlich Marktteilnehmer die normalerweise von geringerer Bedeutung sind. Manche sind ja der Meinung, dass die Kleinspekulanten systematisch auf der falschen Seite liegen würden.
In jedem Fall wichtig wird das weitere Verhalten der Managed Money Positionen sein.


Ich hatte schon einmal früher darauf hingewiesen, dass normalerweise ein mehr oder minder gutes Zusammenwirken der beiden größten Marktteilnehmer besteht. Derjenige, der eine grosse Longposition eingeht, kann das ja nicht im leeren Raum machen sondern braucht einen potenten Gegenpart, der bereit ist das Shortrisiko zu tragen. Interessant wird es dann, wenn eine dieser beiden Seiten "übertreibt", wenn also eine Partei deutlich mehr kauft als die Gegenpartei verkauft (oder umgekehrt). Das ist technisch nur dann möglich wenn Dritte (also z. B. "Other" oder "Nonreportables") diese Übertreibung (temporär) abfedern. Regelmäßig normalisiert sich diese "Übertreibung" dann wieder mit entsprechenden Kursanpassungen. Ein gutes Beispiel dafür ist Anfang Oktober 2011 die "Übertreibung" der Managed Money Positionen nach unten. Man kann auf verschiedene Weise versuchen solche "Übertreibung" zu erfassen. Die beiden folgenden Charts geben ein Beispiel.
Hier wird zunächst einmal im oberen Chart nur simpel die Differenz gebildet zwischen der Nettoposition und seinem 1-Jahres-Durchschnitt zum entsprechenden Zeitpunkt, für Managed Money (=rot) und Commercials (=gelb).
In der unteren Kurve wird die Summe der beiden Werte gebildet (=magenta). (Summe, weil die Positionsgroessen ja regelhaft gegensaetzliche Vorzeichen haben). Beachte hier den unterschiedlichen Zeitrahmen!

Es ist also zweifelsohne eine "Störung" im üblichen Zusammenspiel zwischen den kommerziellen Marktteilnehmern und den Managed Money-Marktteilnehmern eingetreten. Das ist in meinen Augen interessant. Meist "übertreiben" die MM-Fonds. In diesem Fall weicht gelb deutlich mehr vom 1-J-GD ab als rot.
(Alle Interpretationen hinsichtlich des Fußballspieles nächsten Samstag sind rein spekulativ ;-))


Abschließend noch eine etwas andere Darstellung (Streudiagramm) der Nettopositionen der Managed Money-Positionen gegen den Goldkurs.


Diese Bild hatte ich ja schon öfters gezeigt.
Schön sieht man hier (ähnlich wie im ersten Bild oben) dass die Managed Money-Marktteilnehmer im historischen Vergleich seit 2006, momentan sehr geringe Positionen halten.
Man sieht ja grundsätzlich, dass diese Gruppe abhängig von der Kursspannweite (trendfolgend) ihre Positionen vergrößert bzw. verkleinert. Regelmäßig fallen aber gewisse Minimal- bzw. Maximallevels auf, die auch im mehrjährigen Vergleich nicht über- bzw. unterschritten werden. (Gold wird z. B. von den MM-Fonds auch als Hedge gegen andere Assets gehalten.)
Theoretisch könnten die Managed Money-Nettopositionen natürlich negativ werden. Würde das aber nicht mit einer fundamentalen Veränderung der Strategien dieser Marktteilnehmer einhergehen? Ist das wahrscheinlich?

Schöne Pfingsten
 
peterg  Am: 22.05.2013 16:54:27 Gelesen: 2117# 256 @  
Nachtrag zum COT-Bericht vom 14.5. - Gold
Die vier größten Marktteilnehmer haben den Preisverfall bei Gold zu massiven Zukäufen genutzt!


Eine Sache fiel mir im letzten COT-Bericht auf, die ich oben nicht erwähnt hatte, ich aber sehr interessant finde und deshalb hier kurz noch nachtragen möchte:
Wenn man sich den Nettochart oben ansieht, so erkennt man, dass die Kurven alle in Richtung x-Achse zusammenlaufen.
Das heißt, die Kontraktzahl der short bzw long gehaltenen Futures und Optionen bei Gold nahmen in den letzten Wochen deutlich ab.
Andererseits, nahm aber gerade im letzten Monat der erfasste Gesamt-Kontraktbestand deutlich zu, wie man z. B. auch im Chartbuch gut nachsehen kann.
Wie konnte das sein?
Verantwortlich hierfür sind die Spreadpositionen. D. h. in den letzten Wochen wurden massiv Spreadpositionen aufgebaut.
Das muss aber bei allen Betrachtungen, welche COT-Daten in Relation zum Open interest verwenden, zu Verzerrungen führen.
Z. B. auch bei der "Concentration Ratio", also dem Anteil der 4 bzw.8 größten Marktteilnehmer am Geschehen. Dieser Anteil wird von der CFTC nur als Anteil am Open interest angegeben. Siehe hierzu #228.
Wenn man nun aus diese Daten (Concentration Ratio, OI) direkt die von den 4 größten Marktteilnehmern gehaltenen Kontraktzahlen ermittelt, so zeigt sich folgendes:
1. Bereits seit letzten Herbst wurden die vier größten Shortpositionen sukzessive reduziert.
Dieser Prozess erscheint möglicherweise jetzt abgeschlossen zu sein, da diese Gruppe in den letzten 4 Wochen den massiven Kursverfall bei Gold nicht mehr zu weiteren Reduzierungen ihrer Shortpositionen nutzten (blauer Chart).
2. Der Kursverfall in den letzten vier Wochen wurde von den vier Marktteilnehmern mit den größten Longpositionen jedoch zu massiven Zukäufen genutzt (roter Chart).

 
peterg  Am: 02.06.2013 12:28:23 Gelesen: 1304# 257 @  
Gold: 28.5.2013 - Fußspuren der Biggest Players

Die CFTC gibt bekanntlich wöchentlich statistische Angaben über die großen Marktteilnehmer im Derivatehandel (Futures und Options) an den überwachten Börsen heraus.
Beispielsweise erfuhr man diese Woche über die "Money Manager"-Gruppe: (das sind z. B. registrierte Commodity trading advisor (CTA), registrierte Commodity pool operator (CPO) oder unregistrierte Fonds die dergestalt von der CFTC eigestuft werden)
Die Managed Money Gruppe hielt am 28.5.2013:
60 Trader in dieser Gruppe waren long registriert, sie hielten 119407 Longkontrakte,
63 Trader waren in dieser Gruppe short registriert, sie hielten 71311 Shortkontrakte
53 Trader waren in dieser Gruppe mit Spreads registriert, sie hielten 32637 Spreadpositionen.
Man kann jetzt Spreadpositionen außer Acht lassen und die Differenz long-short bilden, also die Nettopositionen dieser Gruppe errechnen.
Damit erhält man Hinweise, wie sich diese Gruppe in der letzten Woche bei Gold positioniert hat.
Im Zeitverlauf für die verschiedenen großen Marktteilnehmer kann man mit Excel ganz einfach auf dieser Nettobasis Charts bilden die dann folgendermaßen aussehen. (Rot ist etwa unsere Gruppe der Money Manager)

Zwei Auffälligkeiten letzte Woche habe ich markiert.

Ich hatte ja bereits in #228 darauf hingewiesen, dass im COT-Report auch eine "Concentration Ratio (=Conc. Ratio)" der größten 4/8 Marktteilnehmer erfasst wird. Diese Daten werden in Prozent des jeweiligen Gesamt-Kontraktbestandes ausgewiesen.
In #256 hatte ich gezeigt, dass man bei der Beurteilung dieser Daten vorsichtig sein muss, wenn sich der Kontraktbestand stark verändert (z. B. wenn Spreadpositionen an Verfallstagen massiv reduziert werden).
Stattdessen kann man relativ einfach die Kontraktzahl errechnen, welche diese Gruppe hält.
(OI/100)*Conc. Ratio
Das ergibt dann die folgenden Kurven:
oben: Conc Ratio in Prozent des OI (rot=long, blau=short)
unten: Kontraktzahlen


Was tat sich jetzt konkret letzte Woche Interessantes bei Gold?
Mir fiel folgendes auf:
-Monatsende, Verfallstag: Das führte zu einer deutlichen Reduzierung des Kontraktbestandes bzw. auch der Spreadpositionen.
-Seit mehreren Wochen erstmalig wieder eine Reduzierung der Nettopositionen der Commercials (gelber Chart im obigen Diagramm). Sicher wesentlich durch den Verfallstag beeinflusst
-Die Kontraktzahlen der vier größten Netto-Long und Netto-Shortpositionen verringerten sich trotz Verfallstermin nicht, ganz im Gegenteil! D. h. die Handelsstrategien dieser Gruppe (der vier Größten) beinhalten nicht kurzfristige Absicherungen oder Optionsstillhaltergeschäfte.

Wir haben seit zwei Tagen Dauerregen hier in München, deshalb habe ich mich ein bisschen gespielt:
Wäre es denn nun möglich einen Chart der gesamten Netto-Kontraktbestandes dieser 4 größten (Netto) Long/Short-Marktteilnehmer zu bilden? Analog zu den Nettopositionen oben z. B. der Money Manager.
Das würde Informationen geben über die Positionsänderungen der 4 allergrößten, weltweit sicher optimal informierten Long- und Shortpositionen.
Wenn jetzt alles stimmt und Excel mich nicht im Stich ließ müsste das Ergebnis folgendermaßen aussehen:

Hier zeigt sich also wie diese 2x4 Marktteilnehmer sich auf Nettobasis in den letzten Wochen und Monaten positioniert haben.
Ein Kommentar ist hierzu, glaube ich, nicht nötig.
Um das Ganze in Relation zu bringen habe ich das mal in den ersten Chart eingearbeitet

Wie zu erwarten weist dieser Chart große Ähnlichkeit mit dem der Commercials auf.
Wie sehr diese (blaue) Gruppe der allergrößten Marktteilnehmer ihr "Hedging" bzw. vielleicht sollte man eher sagen ihre Handelsausrichtung geändert hat, das hat mich schon etwas beeindruckt. Insbesondere auch die Marktmacht dieser 8.
Wenn alles stimmt ;-)
Und wie sollte man sich jetzt positionieren?
Wenn ich das wuesste-!
Als grobe Faustregel gilt aber: Bei Trendwechsel machen die Commercials Gewinn, bei Trendfortsetzung die Money Manager.
 
SPOMI  Am: 03.06.2013 10:04:03 Gelesen: 1222# 258 @  
ad Peterg:

Offenbar hat die Gruppe der grossen Marktteilnehmer keine gemeinsame Linie. Das lässt auf eine kommende Seitwärtsbewegung schlissen. Solange long only Goldfonds keine Kapitalabflüsse hinnehmen müssen bleibts wahrscheinlich über den Tiefs der letzten Wochen. Grüsse und Danke für die "verregnete" Goldanalyse! SPOMI
 
zorrie  Am: 03.06.2013 10:54:32 Gelesen: 1213# 259 @  
@ peterg [#257]

Diese COT-Daten sprechen klar für steigende Kurse.
Der Mittelfristige Trend ist klar für fallende Kurse.
Der langfristig steigende Trend ist deutlich angeschlagen, muss einen richtigen Punch wegstecken. Das braucht Zeit.

Am Donnerstag sah Gold charttechnisch richtig gut aus, und ich habe meine Protection aufgelöst. Am Freitag dann, wieder, die Ernüchterung. Kommt kein schneller Rebound nach oben, wird die Absicherung wieder eingesetzt.

Für mich sind das schwierige Monate. Aber in zwei, drei Jahren sieht das wieder anders aus. Die Commercials sehen das offenbar genau so.
 
peterg  Am: 03.06.2013 18:03:42 Gelesen: 1183# 260 @  
@ SPOMI [#258]

Hallo Spomi!
"Offenbar hat die Gruppe der großen Marktteilnehmer keine gemeinsame Linie."
Im COT Bericht werden bewusst zwei Guppen der größten Marktteilnehmer unterteilt:
Einmal eine Gruppe (unabhängig ob Producer/Merchants, Managed Money o. ä.) mit den größten Longpositionen (rosa) und dann eine weitere mit den größten Shortpositionen (hellblau).
In diesen Gruppen werden dann quasi einmal brutto (=Conc. Gross) und einmal netto, also long minus short (=Conc Net.) die Maximalpositionen erfasst.
So beschreibt es die CFTC.
"Concentration Ratios (long form only)
The report shows the percents of open interest held by the largest four and eight reportable traders, without regard to whether they are classified as commercial or non-commercial. The concentration ratios are shown with trader positions computed on a gross long and gross short basis and on a net long or net short basis. The "Net Position" ratios are computed after offsetting each trader’s equal long and short positions. A reportable trader with relatively large, balanced long and short positions in a single market, therefore, may be among the four and eight largest traders in both the gross long and gross short categories, but will probably not be included among the four and eight largest traders on a net basis."

Ich denke, es ist wahrscheinlich sinnvoller hier die Nettopositionen (=Conc. Net.) zu betrachten.
Bedenke, dass im COT-Bericht keine Spreadpositionen der Producer/Merchants erfasst werden, im Gegensatz zu den anderen Marktteilnehmern (MM, Others, SWAP). Das bedeutet, dass durch Gegenpositionen (=Spreads) abgesicherte Kontrakte der Commercials als solche nicht ersichtlich sind. Wie gesagt im Gegensatz zu den Spekulanten. Die Long/Shortpositionen z. B. der Money Manager etwa sind reine outright Positionen ohne Spreads!
Die Analyse dieser Daten habe ich noch nie bei COT-Analysen irgendwo gesehen. Insofern probiere ich natürlich auch damit ein bisschen herum. Zumindest für Gold finde ich sie aber recht interessant. Wenn Du andere Vorschläge hast - bin für alles offen.

Es erscheint natürlich willkürlich, einfach die größten 4 Netto-Longpositionen und die größten 4 Netto-Shortpositionen zusammenzupacken. Aber ein analoges Vorgehen hat man bei der Darstellung der Nettocharts der anderen Marktteilnehmer (MM, SWAPS, etc.) ja eigentlich auch. Nur eben mit sehr viel mehr Marktteilnehmern. Insofern nahm ich bewusst willkürlich die Gruppe der 2x4 größten Marktteilnehmer heraus.
Es ist also sicher so, dass hier unterschiedliche Handelsansätze bestehen.
Überrascht war ich welchen Anteil (Marktmacht) diese handvoll wahrscheinlich Bullion-Banken am Gesamtgeschehen haben.

@ zorrie [#259]
Hallo Zorrie!
Man liest ja überall, dass der Tiefpunkt bei Gold noch nicht erreicht sein soll.
Vielleicht stimmt das!
Andererseits, wer würde dann noch Gold in größerem Umfang verkaufen ? Gut der COT-Bericht gibt nur Auskunft über die Situation bei Futures bzw. Optionen?
In den Nettopositionen der großen Marktteilnehmer findet man immer wieder Niveaus, die relativ gute Unterstützungen bzw. Widerstände darstellen, ganz analog zu den Kurscharts. D. h. diese Gruppen haben eine ganz bestimmte Markteinschätzung. Gut erkennt man das auch in den Streudiagrammen.
Bei Gold machten die Nettopositionen der Managed Money Fonds (rot), wie schon einmal erwähnt, den letzten Kursrutsch nicht mehr richtig mit. Man hat den Eindruck, dass die MM dieses Niveau von ca. 40000 Kontrakten netto long (in etwa das von Sept.-Okt./2008) halten wollen. Schau Dir bei Interesse dazu vielleicht auch mal das Streudiagramm oben an.
Die Kleinspekulanten haben ein mehrjähriges Tief bei ihren Nettopositionen und auch die "Other"-Gruppe hat letzte Woche nachgezogen und hat mit Netto 7107 Kontrakten ein mehrjähriges Positionsminimum erreicht. (Das ist ja eine ganz interessante Gruppe-!)
Die Ähnlichkeiten mit den Positionen im Herbst 2008 sind schon auffällig.
Ausbrüche aus solchen extremen Positionen waren bei Gold in den letzten Jahren immer recht heftig.
Und das führte häufig auch zu entsprechenden Kursbewegungen.
Man muss also vielleicht nicht zu früh auf den Zug aufspringen. Erst wenn man sicher weiß wohin er geht. Da glaube ich hilft der COT.
 
SPOMI  Am: 04.06.2013 09:53:57 Gelesen: 1142# 261 @  
@ peterg [#260]

Die Konzentration auf 4 oder 8 Marktteilnehmer ist bei allen Finanz und Waren Futures recht hoch. Insofern bewegen diese den Markt längerfristig und der Rest ist Rauschen. Die Liquidität im b/a ist bei vielen Kontrakten zu gewissen Zeiten allerdings sehr hoch. Es gibt daher auch kurzfristig agierende Händler, die nach Tagesschluss netto 0 Position haben und somit nicht in die COT Statistik eingehen, trotzdem den Preis beeinflussen können. Das Verhältnis Tagesvolumen zu Open Interest zeigt mir gut die relative Stärke/Schwäche der kurzfristig agierenden Börsenteilnehmer.

Die grossen ETFs werden wohl mittels Futures , SWAPs oder anderen Kontrakten dargestellt und stellen wahrscheinlich einige der grossen Positionen dar. Aber auch der tägliche Absicherungsbedarf grosser Minenkonzerne oder Ölproduzenten bzw. Kraftwerksbetreiber ist riesig. Ich denke nicht, dass diese eine Brille für die Zukunft haben. Aber durch vermehrte Beschäftigung mit der Materie wird die Kenntnis über Unter/Obergrenzen bei den Kosten und Absatzpreisen sicher in deren Überlegungen einfliessen und somit letztendlich im Kurs seinen Niederschlag finden; quasi als permanentes Abstimmungergebnis einer Wahl über den fairen Preis.

Ein Broker/dealer hat per se kein Interesse an Positionen. Daher wird versucht gegenläufige ETFs ( Gold long , Gold short) anzubieten. Die ausgebende Bank trägt im Idealfall kein Nettorisiko und verdient mehrfach an den Spesen der Ausgabe und Preisstellung. Recht aufschlussreich sind hierzu die Produktbeschreibungen der Emittenten.

Die Commodity Truppe auf TMW ist gross, leider sind die meisten Diskussionen im RMX Forum auf die physische Ware beschränkt. Eigentlich schade, denn ein vermehrter Austausch bringt sicher die eine oder andere Idee für beide Seiten. Gruss SPOMI
 
peterg  Am: 09.06.2013 14:01:52 Gelesen: 684# 262 @  
4.6.2013 - Ist Soja gegenwärtig zu teuer?

Anbei drei aktuelle Kurven zu Soja:
1. Netto-Positionen der großen Marktteilnehmer und
Anteil der Longkontrakte am Gesamt-Kontraktbestand der Managed Money-Gruppe


Im Moment korrelieren die Positionsbewegungen der Money Manager, (wie üblich) wieder exzellent mit den Kursbewegungen
(1-Jahreskorrel=81%, 3-Monatskorrel=88%)
Nur - was hilft das in Seitwärtsmärkten?

Der Anteil der Longkontrakte am Kontraktbestand der MM-Gruppe ist im Moment:
Soja=79,6%, Mais=60,6%, Weizen=45,5% (Mittelwerte seit 6/2006: S=82%, C=79%, W=54%)

2. Streudiagramm: Soja - Kurs/Netto Managed Money-Positionen


Dunkelblaue Punkte entsprechen Daten ab Mitte 2006
Magenta Punkte entsprechen Daten ab Mitte Oktober 2010
Gelbe Punkte entsprechen dem letztem Jahr
Weiß: Aktueller Wert

Nebenbei: schön zu sehen die Positionsentwicklung der MM-Fonds im Verlauf einer Haussephase
(Vergleiche hierzu #225 Weizen)

Wie ist euere Meinung dazu?
 
Myrrdin  Am: 09.06.2013 18:22:12 Gelesen: 657# 263 @  
@ peterg [#262]

Ja, ich bin der Ansicht, dass die Sojapreise im Herbst deutlich unter den derzeitigen liegen werden. Vorausgesetzt das Wetter im August ist nicht überdurchschnittlich heiß, und dafür sehe ich derzeit keine Anzeichen.

Grund für meine Einschätzung sind die großen Anbauflächen. Selbst wenn es sich für manche aufgrund des Regens nicht mehr ausgehen sollte, Soja nach Weizen anzubauen: Der Regen wird auch dazu führen, dass Mais und Sommerweizen durch Soja ersetzt werden.

Ich weiß schon, dass sage ich schon seit Monaten und bin mittlerweise aus meinen Short Trades ausgestoppt worden. Gehe aber in diesen Tagen wieder short im SX (Verkauf von 1300er Calls, eventuell später Outrights).

Warum steigen die Sojapreise trotz der großen zu erwartenden Ernte ? Ich nehme an, dass zahlreiche Landwirte nach den Erfahrungen im Vorjahr zögern, zu verkaufen.

Mit besten Grüßen, Myrrdin
 
peterg  Am: 09.06.2013 19:48:16 Gelesen: 648# 264 @  
@ Myrrdin [#263]

"Warum steigen die Sojapreise trotz der großen zu erwartenden Ernte ?

Seit ca. 2 Wochen sehen wir ja bei Soja eine relative Bevorzugung der neuen Ernte. D. h. bei steigenden Sojakursen sieht man oefter, dass die Kontrakte der neuen Ernte besser laufen als die der alten Ernte.
Letzte Woche und dann mit Beginn der grossen Rollphase verstaerkte sich diese Entwicklung.
Als Gegenposition, schwaechte sich die Basis in den letzten Tagen deutlich ab. D. h. Farmer verkauften offensichtlich relativ agressiv Soja cash und konnten Hedgekontrakte aufloesen.
Die in der letzten Woche zu beobachtende Netto-Zunahme des Kontraktbestandes kam hauptsaechlich bei den Kontrakten der neuen Ernte zustande. Der Crop insurance Preis bezogen auf den Novemberkontrakt liegt bei 12, 87$. Der SX13 liegt im Moment be 13,30$. D. h. Farmer haben jetzt einen zunehmend grossen Anreiz einen Teil ihrer zukuenftigen Ernte zu hedgen. D. h. es muss zumindest kurzfristig auch etwas spekulatives Geld in die neue Ernte bei Soja fliessen. Die Nettopositionen der MM legen m. E. aber eher einen Seitwaertskurs nahe. Wir werden sehen was sich naechste Woche noch in der Rollzeit und danach tut.
Ich habe (mit etwas feuchten Haenden) meine SU-SQ-Spreads noch und moechte diese, wenn moeglich bis Juli halten.
 
SPOMI  Am: 10.06.2013 10:40:33 Gelesen: 612# 265 @  
@ peterg [#264]

Su13 long und sq13 short würde ich weiter halten. Wie oben geschrieben fällt die alte Ernte stark und die neue steigt. Das wird tendenziell so bleiben bis die Volumina bei SN13 stark zurückgehen. Danach wird der Frontmonat/SX13 spread eratisch pendeln. Das ist allerdings nur meine persönliche Erwartung. Warum August gegen September und nicht aktueller Frontmonat gegen November? Grüsse SPOMI
 
peterg  Am: 10.06.2013 12:33:01 Gelesen: 590# 266 @  
@ SPOMI [#265]

"Warum August gegen September und nicht aktueller Frontmonat gegen November?"


siehe:
http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?F=47&CP=0&ST=158443&page=72
#723.
Insbesondere der Link zu dem Artikel von Cordonnier.
Ich hoffe auf große südamerikanische Sojaexport bis in den Herbst hinein, wahrscheinlich auch in die USA, wahrscheinlich noch einige weitere Stornierungen chinesischer Sojaorder, und evtl. größere Lagerbestände. Die hohen Preise der alten Ernte, die der Augustkontrakt noch deutlich widerspiegelt müssten zum Ende des Erntejahres dann deutlich unter Druck kommen. Das wäre dann wieder ein typischer Verlauf. Zum Ende des alten Erntejahres muss alles raus!
So meine Hoffung ;-)
Deswegen der Augustkontrakt. September habe ich ehrlich gesagt nur genommen wegen dem irren Preisunterschied von einem Monat auf den anderen (August - September). Natürlich ginge November auch, der Spread hat aber größere Schwankung. D. h. hier würde man dann wohl etwas weniger Spreads nehmen.
 

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