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Thema: Wohnungsbau Leipzig West: Totalverlust für 30.000 Anleger ?
Richard Ebert  Am: 07.06.2006 12:43:10 Gelesen: 4366# 1 @  
Bei "Leipzig-West" droht Totalverlust

Boerse.ard (07.06.06) - Ein Jahr nach dem Fall Phoenix droht ein neuer Finanzskandal. Die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West steht angeblich vor der Zahlungsunfähigkeit. Anleger müssen um ihr eingezahltes Geld bangen. Was kann man tun, um nicht auf hohe Zinsversprechen reinzufallen?

Für Volker Pietsch, Chef des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (DIAS), ist der Graue Kapitalmarkt in Deutschland ein Dorn im Auge. "Deutschland ist ein Paradies für Anlagebetrüger", sagt er gegenüber boerse.ARD.de. Nirgendwo gebe es so viele Betrügereien wie hierzulande.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Nun hat Pietsch mit einem neuen Skandal zu tun. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat bestätigt, dass sie gegen Leipzig-West wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung ermittle. Anlegern droht insgesamt ein Verlust im dreistelligen Millionen-Bereich. Nach Angaben von Pietsch haben etwa 30.000 Anleger rund 500 Millionen Euro bei der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) Leipzig-West AG investiert.

Bereits seit Dezember des vergangenen Jahres warten die Anleger auf die Rückzahlung fälliger Unternehmensanleihen, weiß Pietsch. Auch die Rückzahlung einer am 21. April fälligen Tranche in Höhe von zehn Millionen Euro sei nach Angaben des DIAS ausgeblieben. Pietsch vermutet, dass das System in Schieflage geraten sei, nachdem Anlegerschützer vor den dubiosen Angeboten von Leipzig-West gewarnt hatten und neue Investoren ausgeblieben waren.

6,75 Prozent Verzinsung

Die WBG Leipzig-West AG hatte für Inhaber-Teilschuld-Verschreibungen mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einer hohen Verzinsung von 6,75 Prozent geworben. Das Geld sollte in werthaltige Immobilien investiert werden. Mit den Zinsversprechungen sollten Anleger geködert werden. Denn vergleichbare Bundesanleihen werfen gerade einmal etwas mehr als drei Prozent ab.

Anlegerschützer hatten jedoch seit langem vor solchen utopischen Renditen gewarnt. Pietsch: "Der Immobilienbesitz von Leipzig-West entspricht in seinem Wert keinesfalls den hohen Einzahlungen der Anleger." Ende 2004 hatte die Leipzig-West AG bereits einen Schuldenberg von 253,9 Millionen Euro aufgetürmt.

Nur durch Druck von Anwaltskanzleien hätten Anleger zuletzt einen Teil ihres Gelds zurückerhalten, berichtet Pietsch. Doch seit dem 18. Mai sei auch da nichts mehr zu holen. Deshalb ist der DIAS-Chef überzeugt, dass das Damoklesschwert der Insolvenz über der Wohnungsbaugesellschaft schwebt. "Wir gehen davon aus, dass Leipzig-West sich nicht mehr lange halten kann."

Tipps gegen unseriöse Angebote

Damit Anleger nicht in ähnliche Fallen am grauen Kapitalmarkt tappen, haben Anlegerschützer wie die DIAS Checklisten ausgegeben. "Bei hohen Renditen über fünf Prozent sollten die Alarmglocken läuten", warnt Volker Pietsch. Angesichts eines derzeit niedrigen Zinsniveaus seien solche Renditen derzeit – wenn überhaupt - nur mit spekulativen Anlageformen erzielbar, heißt es seitens des DIAS. Mit einem Teil- oder Totalverlust des Anlagebetrages müssten Anleger jederzeit rechnen. Der DIAS empfiehlt, als Maßstab die aktuelle Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihen zu nehmen.

Anleger sollten sich vorab bei neutralen Stellen über Firmen erkundigen, die solch hochprozentige Anleihe-Angebote herausgeben wie Leipzig-West AG. Vor allem bei No-Name-Firmen sei Vorsicht angebracht.

Noch problematischer sei es, wenn das Unternehmen seinen Sitz im Ausland hat. Unter Umständen können Ansprüche dann noch schwieriger geltend gemacht werden.

Das Schneeball-System

Pietsch warnt vor dem "Schneeball-System". Nicht selten würden unseriöse Anleger zu Anfang die versprochenen Renditen als Köder auszahlen, um über Mund zu Mund-Propaganda neue Kunden zu gewinnen. Dabei würden diese angeblichen Gewinne nicht aus tatsächlich erwirtschafteten Erträgen, sondern aus Anlagegeldern der Neukunden bedient. Solche Systeme brächen dann unweigerlich in sich zusammen, wenn "frisches Geld" neuer Anleger ausbleibe.

(Quelle: boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_167928)
 
he96  Am: 07.06.2006 12:54:47 Gelesen: 4353# 2 @  
@ Richard Ebert [#1]

Wer Leipzig kennt, die Werbung, das Zinsversprechen und noch immer Geld gibt, hat es nicht anders verdient.

Wie immer: GIER FRISST HIRN !

gruss hans
 
Richard Ebert  Am: 07.06.2006 12:59:37 Gelesen: 4342# 3 @  
Zum nachlesen empfehle ich folgende Diskussion:

http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?ST=12341&CP=16&F=47

@ he96 [#2]

Mir war das sonnenklar.
 
he96  Am: 07.06.2006 16:42:25 Gelesen: 4294# 4 @  
@ Richard Ebert [#3]

""Mir war das sonnenklar.""

Mir war das NOCH klarer - aber es ist traurig wie durch "sowas" dann "normalen Geschäftsleuten" das Leben unnötig schwer gemacht wird, die rechtschaffene Produkte und entsprechende Beratung verkaufen.

gruss hans
 
Richard Ebert  Am: 08.06.2006 08:59:22 Gelesen: 4238# 5 @  
WBG Leipzig-West: Anleihe mit Risiko

Frankfurter Allgemeine Zeitung (12.08.05) - Der Osten Deutschlands, dem einige süddeutsche Politiker einen gewissen Nachholbedarf in puncto Intelligenz bescheinigen, hat in einer Hinsicht diesen sicherlich nicht. Die Unternehmensfinanzierung durch Inhaberschuldverschreibungen ist dort mittlerweile zu einem blühenden Geschäftszweig geworden.

Halloren, nach eigenen Angaben Deutschlands älteste Schokoladenfabrik gründete im Zuge einer erfolgreich begebenen Anleihe sogar einen eigenen Finanzvertrieb, der als Halloren Finanzdienstleistungs GmbH mittlerweile für drei weitere Emittenten Anleihen verkauft.

Großer Emittent: WBG Leipzig-West

Allen voran aber geht die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West (WBG Leipzig-West) , die ursprünglich einmal 1926 gegründet, in den neunziger Jahren wiederbelebt wurde und seit 1999 Anleihen emittiert. Aktuell macht das Unternehmen Werbung für eine mit 6,75 Prozent verzinste Anleihe, die ursprünglich mit einer fünfjährigen Laufzeit versehen, im Oktober 2004 mit einem Volumen von 20 Millionen Euro aufgelegt wurde. Seitdem wurde die Zeichnungsfrist zweimal verlängert und das Emissionsvolumen zweimal auf zuletzt 80 Millionen Euro verdoppelt.

Die WBG Leipzig-West ist als Zentrum eines Beteiligungsnetzwerks organisiert. Selbst hält sie Beteiligungen in Höhe zwischen 77 und 93 Prozent an fünf Unternehmen, der „Zentrale für Wohnungsbaugesellschaften“, den WBGs Leipzig-Wahren und -Möckern, der Leipzig-West Liegenschaften und der Wohnungsgesellschaft Zwickauer Land. Überdies hat die WBG Leipzig-West zwei Fondsgesellschaften neu gegründet.

Über die Leipzig-West Liegenschaften hält sie mittelbar Beteiligungen an drei Unternehmen aus der Schutz- und Sicherheitsbranche, von denen eines, die SKI Security Guard wiederum Beteiligungen an Unternehmen halten, die verschiedene immobiliennahe Dienstleistungen erbringen oder Produkte herstellen.

Über mittelbare und unmittelbare Gewinnabführungsverträge laufen die finanziellen Fäden dann in der WBG Leipzig-West zusammen. Diese wiederum ist über einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag der J.S. Immobilienbeteiligungen unterworfen, die den Jahresüberschuß einbehält. Die Initialen stehen für den Nürnberger Kaufmann Jürgen Schlögel, der, so die Sächsische Zeitung, 74 Prozent an der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig West AG hält.

Schwer durchschaubare Erträge

Für das vergangene Jahr weist die WBG Leipzig-West eine Gesamtleistung von 6,8 Millionen Euro aus, 16,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als das Doppelte umfassen die sonstigen betrieblichen Erträge, die auf 15,8 Millionen Euro beziffert werden. Diese stammen aus der Einbringung von Grundstücken in die neu gegründeten Fondsgesellschaften, die wieder zu 100 Prozent der Gesellschaft gehören. Es handelt sich also um Verkäufe innerhalb der Holding. Sollten die Fonds keine Mittel von außen zugeführt erhalten haben, werden die Verkäufe nicht liquiditätswirksam, sondern schlagen sich in deren Bilanzen als Verlust nieder.

Das eigene Geschäft der WBG Leipzig-West steckt tief in den roten Zahlen. Denn obwohl sie aus Gewinnabführungsverträgen Zuflüsse von fast 16 Millionen Euro verzeichnet, bleibt am Ende nur ein Betriebsergebnis von 980.187,35 Euro übrig (13,4 Prozent mehr als im Vorjahr). Nach Steuern blieben davon knapp 750.000 Euro übrig (rund ein Prozent weniger als im Vorjahr), die komplett an die J.S. Immobilienbeteiligungen abgeführt wurden.

Die Zuflüsse aus den Beteiligungen stammen zu fast 96 Prozent von der Tochter Leipzig-West Liegenschaften. Die WG Zwickauer Land machte 133.165,55 Euro Verlust und die WBG Leipzig-Möckern 242.846,15 Euro. Woher die Gewinne der Leipzig-West Liegenschaften stammen, die sich übrigens gegenüber 2003 mehr als halbiert haben, läßt sich nicht ermitteln. Denn dies steht ja nur in den Bilanzen der Tochter. Da diese obendrein über zahlreiche Beteiligungen verfügt, steht es möglicherweise noch nicht einmal darin. Da indes das Unternehmen und seine Tochter SKI „wiederum“ Beteiligungen veräußert haben, dürfte zumindest ein Teil der Gewinne darauf zurückgehen.

Mehr als 200 Millionen Schulden

Am stärksten wird die Bilanz der WBG Leipzig-West durch zwei Kostenblöcke belastet. Da sind zum einen die „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“ die gegenüber 2003 um fast 62 Prozent auf 17,36 Millionen Euro steigen und damit über 43 Prozent der Aufwendungen ausmachen. Davon entfallen 2,34 Millionen auf die Hausbewirtschaftung, die übrigen 86,5 Prozent bleiben unerklärt. Schon 2003 war dieser Bilanzposten um 126 Prozent gestiegen.

Der zweite Kostenblock macht fast 40 Prozent der gesamten Aufwendungen aus. Es handelt sich dabei um Zinsen und ähnliche Aufwendungen. Diese sind seit 2003 um rund 18 Prozent gestiegen. Denn die LBG West hat aktuell Anleiheschulden von nicht weniger als 215,24 Millionen Euro, 30 Prozent mehr als im Vorjahr, in dem die Anleiheschulden um 48 Prozent gestiegen waren.

Demgegenüber stehen hauptsächlich Sach- und Finanzanlagen in Höhe von insgesamt 144 Millionen Euro sowie Forderungen in Höhe von 99 Millionen. Doch 53,6 Millionen der Finanzanlagen sind Anteile an verbundenen Unternehmen. Die Forderungen sind alle gegen verbundene bzw. Beteiligungsunternehmen gerichtet, also innerhalb des Beteiligungsnetzwerks. Deren tatsächlicher Wert ist schwer nachvollziehbar. Auffällig ist aber, daß die ertragreiche Tochter Leipzig-West Liegenschaften laut Bilanzanhang ein negatives Eigenkapital von rund einer Million Euro hat, die WBG Leipzig-Möckern sogar 1,8 Millionen.

Gretchenfrage Leistungsfähigkeit

Die WBG Leipzig-West selbst hat ein gezeichnetes Kapital von rund 1,5 Millionen Euro. Hinzu kommen 8,9 Millionen Euro Sonderrücklage sowie ein Verlustvortrag von 2,2 Millionen Euro, so daß hier ein krasses Mißverhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital zu bestehen scheint.

Insgesamt erscheint die WBG Leipzig-West als ein intransparentes und zudem fragiles Gebilde. Auch der Vermögensverwalter Jens Richter beklagt in der „Sächsischen Zeitung“ die Verschachtelung der Gesellschaft. Da den Überblick zu behalten, falle schwer. Vor allem aber stellt er die Frage ob die beherrschende J.S. Immobilienbeteiligungen im Verlustfall die Zinszahlung an die Anleger zuläßt.

Für Anleihegläubiger ist die ohnhin alles beherrschende Frage, inwieweit das Unternehmen Zins und Tilgung leisten kann. Ohne die „sonstigen betrieblichen Erträge“ hätte die Gesellschaft ihren Verpflichtungen gar nicht nachkommen können. Und die Beteiligungserträge haben noch nicht einmal für die Zinszahlungen ausgereicht. Es stellt sich angesichts dessen die Frage, da die Anleihen gemäß Prospekt auch zur Tilgung früherer Anleihen verwendet werden können, ob hier nicht zumindest zum Teil rollierend finanziert wird.

Kein gutes Ansehen bei Presse und Verbraucherzentralen

Unter Verbraucherschützern ist die Gesellschaft keine Unbekannte. Verbraucherzentralen warnen schon lange vor den Anleihen des Unternehmens, das 2001 wegen irreführender Prospektangaben abgemahnt wurde. Im Auftrag der ZDF-Verbrauchersendung WISO prüfte Peter Sachs, Sachverständiger für Kapitalanlagen die Bilanz 2003. Sein Fazit war eindeutig: Die tatsächlichen Investitionen in so genannte Gebäude oder Sachanlagen, also Immobilien, seien im Verhältnis zu der Gesamtinvestition oder zu den Gesamtmitteln zu gering. Er rate hier zu großer Vorsicht.

Auch mit der Presse hat die Gesellschaft kein gutes Verhältnis. Dem WDR blieben einst die Türen verschlossen. Und WISO bekam Jürgen Schlögel nicht zu Gesicht. Der Präsident eines Flugrettungsvereins nahe Nürnberg und Hauptaktionär der Wohnungsbaugesellschaft hat auch in Nürnberg eine Firma. Deren Mitarbeiter wußten gegenüber WISO nicht, wo ihr Chef ist. Der meldete sich dann schriftlich und erklärte, daß mit der WBG Leipzig-West „alles in Ordnung“ sei. Das mag durchaus sein - aber dafür steht letztlich nur Schlögels Wort. Die Risiken werden dadurch aber nicht wirklich geringer.

(Quelle: http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~E9D02D7CF16F74BB598C425EDC69820E9~ATpl~Ecommon~Scontent.html)
 
Richard Ebert  Am: 20.06.2006 09:11:07 Gelesen: 4054# 6 @  
Leipzig-West AG meldet Insolvenz an

von Jakob Schlandt

Berliner Zeitung (20.06.06) - Die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG ist zahlungsunfähig. Dies geht aus dem Anrufbeantwortertext des Unternehmens hervor. "Wir haben Insolvenz angemeldet", teilte die AG darin gestern mit. Damit droht Anlegern eines der größten Finanzdebakel der Nachkriegsgeschichte. Leipzig-West hatte hochverzinste Anleihen ausgegeben. Anlegerschützer warnen schon länger davor, dass die AG wohl mit einem Schneeballsystem operiere. Der Schaden könne mehrere hundert Millionen Euro betragen.

(Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/wirtschaft/561121.html)
 
Richard Ebert  Am: 28.06.2006 12:43:42 Gelesen: 3876# 7 @  
Leipzig-West-Anleger brauchen viel Geduld - Insolvenzverfahren frühestens in 2009 abgeschlossen - Auch DM-Beteiligungen mit Anleihezahlung im Rückstand

Die Welt, Leipzig (27.06.06) - Geschädigte Anleger der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West (WBG) müssen viel Geduld aufbringen. "Das Insolvenzverfahren wird frühestens 2009 abgeschlossen sein", sagt der zum Insolvenzverwalter bestellte Anwalt Lucas Flöther. Erst dann werde sich zeigen, ob zumindest ein Teilbetrag des in Anleihen investierten Kapitals zurückerstattet wird.

Die WBG hatte Insolvenz angemeldet, weil sie mehrere ausgelaufene Anleihen nicht zurückzahlen konnte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insolvenzverschleppung und Kapitalanlagebetrug. Anlageschützer schätzen den Schaden auf bis zu 500 Mio. Euro. "Wegen der hohen Zinsversprechen von bis zu 6,75 Prozent haben rund 30 000 solvente Anleger im Schnitt jeweils 20 000 Euro in die Anleihen investiert", sagt Volker Pietsch, Vorstand des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (DIAS). Abzüglich bereits zurückgezahlter Beträge dürfte das gesamte Kapital verloren sein, meint Pietsch. Nach vorläufiger Übersicht sei die WBG aus anderweitigen Verpflichtungen mit rund 290 Mio. Euro verschuldet, sagt Insolvenzverwalter Flöther.

Geprüft werde auch, ob es Querverbindungen zur Düsseldorfer DM-Beteiligungen (DM) gibt, sagt Flöther. Das ebenfalls im Immobilienbereich tätigte Unternehmen sei auch mit der Rückzahlung von Anleihen im Verzug, berichtet der Bund für soziales und ziviles Rechtsbewußtsein (BSZ). "Wie bei der WBG kann auch hier ein Schneeballsystem nicht ausgeschlossen werden", sagt BSZ-Vorstand Horst Roosen. "Die Anleihebedingungen in den Verkaufsprospekten beider Unternehmen sind sich teilweise verblüffend ähnlich", sagt der Berliner Anlegerschutzanwalt Walter Späth.

Die WBG hatte sich in ihren Emissionsprospekten vorbehalten, mit neuen Anleihen ältere Inhaberteilschuldverschreibungen zu begleichen. Im Emissionsprospekt einer aktuell beworbenen DM-Anleihe heißt es, der Erlös könne "zur Tilgung von sonstigen Verbindlichkeiten" genutzt werden. Zudem seien bei der WBG und der DM zumindest in jeweils einem Fall Anleihezertifikate mit dem Namen "Heise" unterschrieben worden, sagt Späth. "Die beiden Unterschriften stimmen vom Schriftbild her weitgehend überein." Nach Berechnungen der Verbraucherzentrale Brandenburg stieg die Verschuldung der DM seit dem Jahr 2000 um über 260 Prozent.

Großaktionär der WBG ist der Nürnberger Immobilienmakler Jürgen Schlögel, an dessen J.S. Immobilienbeteiligungen die WBG ihre Gewinne abführt. Ob Schlögel auch an der DM beteiligt ist, werde derzeit untersucht, sagt Insolvenzverwalter Flöther. rhai

(Quelle: http://www.welt.de/data/2006/06/27/933519.html)
 
Richard Ebert  Am: 08.07.2006 20:22:50 Gelesen: 3741# 8 @  
Ist die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West noch zu retten?

Guter Rat (07.07.06) - Das Amtsgericht Leipzig hat mit Beschluss vom 20. Juni 2006 Rechtsanwalt Dr. Lucas F. Flöther zum vorläufigen Insolvenzverwalter über das Vermögen der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG, der Zentrale für Wohnungsbaugesellschaften AG und der Leipzig-West Liegenschaften AG jeweils mit Sitz in Leipzig, bestellt. Der vorläufige Verwalter wurde beauftragt, zu prüfen, ob hinsichtlich der Gesellschaften ein Insolvenzgrund vorliegt sowie ob ausreichend Masse vorhanden ist, um ein Insolvenzverfahren eröffnen zu können. Verfügungen der Gesellschaften können nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters erfolgen.

Den Verfahren liegen Eigenanträge der organschaftlichen Vertreter der Unternehmen zugrunde. Durch die Anordnung der vorläufigen Verwaltung wurde sichergestellt, dass die vorhandenen Vermögenswerte allen Gläubigern zu gleichen Teilen zur Verfügung stehen und nicht einzelne Gläubiger im Wege der Einzelzwangsvollstreckung Sicherung oder Befriedigung erlangen. Der vorläufige Verwalter hat bereits seine Arbeit aufgenommen und befasst sich insbesondere mit der Sicherung der Vermögensgegenstände der Unternehmen sowie der Feststellung der aktuellen Vermögensverhältnisse. Nach ersten Besprechungen mit den Vorstandsmitgliedern der Unternehmen am Geschäftssitz in Leipzig wurde entschieden, dass der Geschäftsbetrieb zunächst aufrecht erhalten wird. Schwerpunkt der Tätigkeit der Unternehmen ist die Vermietung und Verwaltung von im Eigentum der Gesellschaften stehendem Wohnraum.

Der Geschäftsbetrieb wird derzeit fortgeführt. Gegenwärtig ist mit einer Eröffnung des Insolvenzverfahrens Ende August/Anfang September 2006 zu rechnen. Die Dauer des Insolvenzverfahrens wird wenigstens fünf Jahren betragen. Angaben zu der Höhe einer möglichen Quote können derzeit nicht gemacht werden, da dies von einer abschließenden Bewertung der Immobilienbestände sowie der Unternehmensbeteiligungen der Schuldnerin abhängig ist. „Ich gehe davon aus, dass eine erste prognostische Mitteilung der Quotenaussichten in der ersten Gläubigerversammlung, die voraussichtlich im Herbst dieses Jahres stattfinden wird, erfolgen kann.“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter.

Nachdem am Geschäftssitz der Schuldnerin eine Bestandsaufnahme der Vermögenswerte und der Verbindlichkeiten stattgefunden hat, ist in den nächsten Wochen der Schwerpunkt der Tätigkeit des vorläufigen Insolvenzverwalters auf den Erhalt der Vermögenswerte der Gesellschaft gerichtet.

Die Verbindlichkeiten dürften derzeit ca. 290 Mio. Euro betragen. Davon belaufen sich die Bankverbindlichkeiten auf insgesamt ca. 40 Mio. Euro, die durch Grundschulden am Grundbesitz der Schuldnerin, aber auch durch Drittsicherheiten zumindest teilweise besichert sein dürften. Ca. 250 Mio. Euro betragen die Verbindlichkeiten gegenüber den Erwerbern von Inhaberteilschuldverschreibungen. Nach Auskunft des Vorstandes der Schuldnerin befinden sich insgesamt ca. 44000 Inhaberteilschuldverschreibungen im Umlauf.

Eine Anmeldung der Forderungen durch die Gläubiger ist erst nach Verfahrenseröffnung möglich. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens werden sämtliche Gläubiger durch den Insolvenzverwalter informiert und erhalten Gelegenheit, ihre Ansprüche zur Tabelle anzumelden. Hierzu werden Anmeldeformulare versandt.

(Quelle: http://www.guter-rat.de/ratgeber/beantwortet/artikel_99602.html)
 
Richard Ebert  Am: 13.07.2006 13:47:04 Gelesen: 3626# 9 @  
WBG Leipzig-West AG: Chronologie eines Kapitalanlagebetrugs ?

Newspress (11.07.06) - Bei der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG, die am 19.06.2006 insolvent wurde, wurden in den letzten Monaten noch massiv neue Anleger mit zahlreichen Versprechen angeworben. Für diese Fälle dürfte ein Kapitalanlagebetrug ziemlich wahrscheinlich sein.

Seit Januar 2006 wurden die Anleger mit Beschwichtigungsformeln hingehalten und mit guten Nachrichten zur Firmengeschichte zu einer Neuanlage geködert, eine chronologische Auflistung:

25. Januar 2006: Die WBG Leipzig-West AG teilt in einem Anschreiben Tausenden Anlegern mit, dass sie unter EDV-Problemen leiden würde und sich dadurch die Auszahlung der im Dezember 2005 und im Januar 2006 fälligen Anleihen verzögern würde.

Gleichzeitig wird in diesem Anschreiben den Anlegern mitgeteilt, dass die WBG stolz darauf sei, im Immobilienbereich Mitte Januar das größte Geschäft der 80-jährigen Firmengeschichte abgeschlossen zu haben.

08. Februar 2006: „Die richtigen Zutaten – für den größten Erfolg unserer 80-jährigen Firmengeschichte“, lautet die Überschrift des aktuellen Schreibens der WBG an Tausende Anleger, sie teilt weiter mit, dass sie Immobilien zu einem Preis von über 40 Millionen € an eine Pensionskasse veräußert habe, das erzielte Verhandlungsergebnis habe deutlich über der ursprünglichen Kalkulation gelegen. Dieser Immobilienverkauf habe die größte Transaktion in der 80 jährigen Firmengeschichte der WBG dargestellt. Weiter, man höre und staune: „ Setzen Sie mit uns den erfolgreichen Weg auch in den nächsten Jahren gemeinsam fort:“

20. April 2006: Die WBG teilt mit, dass sie ein in ihrem Firmenverbund befindliches Immobilienpaket mit über 1.000 Wohneinheiten im laufenden Monat Mai an einen großen Pensionsfond veräußern werde. Zu diesem „Erfolg“ hätten auch die Zeichner beigetragen.

24. April 2006: Die Ausgabe einer neuen Anleihe mit 7 % Zinsen wird angekündigt. Dieses Papier trage dem Umstand Rechnung, dass die Zeichner durch ihr finanzielles Engagement in den letzten Jahren bei der WBG ein erhebliches Wachstum sowohl im Immobilienbereich als auch beim Ausbau von Beteiligungen ermöglicht hätten.

Weiter wird mitgeteilt – man kann es kaum glauben- dass der Hauptaktionär die Zusage abgegeben habe, das Eigenkapital der Gesellschaft um ca. 10.000.000,- € zu erhöhen.

01.06.2006: Zahlreichen Anlegern wird der Umtausch einer Anleihe mit Bonus und Zinsoptimierung angeboten, diesmal wieder mit 7 % Zins.

„All diese Angaben hatten den Zweck, den Anlegern eine Sicherheit vorzugaukeln, von der wenige Monate oder gar Wochen vor der Insolvenz wohl keinesfalls mehr gesprochen werden konnte. Spätestens im April 2006 musste der Unternehmensleitung die desolate Lage des Unternehmens bekannt sein. Es ist uns daher völlig unverständlich, wie noch wenige Wochen vor der Insolvenz von den größten Geschäften der Firmengeschichte oder der Zusage, dass der Hauptaktionär das Eigenkapital um 10 Mio. € erhöhen wolle, gesprochen werden konnte.

Zumindestens in diesen Fällen dürfte ein Fall von Kapitalanlagebetrug wahrscheinlich sein,“ so Rechtsanwalt Walter Späth, MSc (Real Estate), Partner bei Dr. Rohde & Späth und BSZ® e.V. -Vertrauensanwalt.

(Quelle: http://www.news4press.com/1/MeldungDetail.asp?Mitteilungs_ID=146118)
 
Richard Ebert  Am: 20.07.2006 13:42:39 Gelesen: 3484# 10 @  
Wohnungsbausgesellschaften: Hintermann von Leipzig-West AG und DM-Beteiligungen verhaftet - Gegen Jürgen Schlögel besteht der Verdacht der Untreue, des Betruges und der Insolvenzverschleppung.

Die Welt, Leipzig/Nürnberg, dpa (20.07.06) - Der Hauptaktionär der insolventen Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG ist in Nürnberg verhaftet worden. Das Amtsgericht Leipzig hatte Haftbefehl gegen den Immobilienmakler Jürgen Schlögel erlassen, bestätigte ein Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft am Mittwoch Medienberichte. Gegen den 42jährigen werde wegen des Verdachts der Untreue, des Betruges und der Insolvenzverschleppung ermittelt. Der Haftbefehl bestehe schon länger und werde nun vollstreckt, sagte der Sprecher. Es sollen rund 30 000 Anleger der Leipzig-West betrogen worden sein.

Der Verhaftung vorangegangen waren bundesweite Razzien in 17 Unternehmen und neun Privatwohnungen, Schwerpunkt bildete Leipzig. Bei der Staatsanwaltschaft Leipzig gibt es mehrere Verfahren zur Leipzig- West. Zu der Anzahl der Verdächtigen wollte der Justiz-Sprecher zunächst nichts sagen.

Die Leipzig-West AG ist Teil eines weitläufigen Firmengeflechts. An der Gesellschaft ist der Nürnberger Geschäftsmann Schlögel mit seiner J.S. Immobilienbeteiligungen zu 74 Prozent beteiligt. Die Wohnungsbaugesellschaft hatte im Juni Insolvenz beantragt, nachdem begebene Anleihen nicht zurückgezahlt werden konnten.

Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters, Rechtsanwalt Lucas F. Flöther, belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 290 Mio. Euro. Seinen Angaben zufolge ist mit einer Eröffnung des Insolvenzverfahrens Ende August bis Anfang September zu rechnen. Der Geschäftsbetrieb mit etwa 120 Mitarbeitern wurde bislang aufrechterhalten.

Jürgen Schlögel gilt auch als "beherrschender Hintermann" der der Düsseldorfer DM Beteiligungen AG (DM). Die DM arbeitete bis zu ihrer Insolvenz Ende Juni nach dem gleichen Muster wie die WBG Leipzig-West. Mit Zinsversprechungen von bis zu 6,85 Prozent wurden rund 9000 Anleger geködert. DM und Leipzig-West konnten in den vergangenen Jahren Anleihen im Gesamtwert von mehr als 600 Mio. Euro ausgeben. In welcher Höhe ausgelaufene Inhaberteilschuldverschreibungen vor den Konkursen noch zurückgezahlt wurden, ist noch nicht bekannt. Erhebliche Teile der noch ausstehenden Beträge dürften jedoch verloren sein. Sowohl die WBG, als auch die DM sind hochverschuldet.

Verbraucherschutzverbände und das Deutsche Institut für Anlegerschutz (DIAS) warnten seit Jahren, beide Gesellschaften würden ein Schneeballsystem betreiben. In den Emissionsprospekten ihrer Anleihen behielten sich die Unternehmen vor, die Erlöse zur Tilgung früher Inhaberteilschuldverschreibungen zu verwenden.

(Quelle: http://www.welt.de/data/2006/07/20/965714.html)
 
Richard Ebert  Am: 16.09.2006 22:08:45 Gelesen: 3096# 11 @  
Leipzig-West AG: Gutachten enthüllt Details zu Anlegerpleite

Insolvenz­verfahren. Ein Gutachten des Insolvenzverwalters der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG enthüllt Details zu einer der größten Anlegerpleiten in Deutschland. 40.000 Anleger glaubten dem Versprechen von üppigen Zinsen und verloren ihr Geld bei angeblichen Anleihen.

Wie die WirtschaftsWoche berichtet, ließen sich nach dem Schreiben des Juristen Lucas Flöther rund 40.000 Anleger in den vergangenen Jahren von üppigen Zinsen locken und steckten ihr Geld in Anleihen der WBG. Was sie nicht ahnten: Zwischen 37 Prozent und 58 Prozent ihrer Einzahlungen wurden laut Gutachten an Jürgen Schlögel, den „faktischen Geschäftsführer“ und Hauptaktionär der WBG, weitergereicht.

Mehr als 104 Millionen Euro sollen so direkt und indirekt in die Kassen des Nürnberger Kaufmanns geflossen sein, zum Großteil ohne Rechtsgrundlage. Somit würden „gegen Schlögel Forderungen in Höhe von mindestens 56 Millionen Euro bestehen“, so Flöther.

Schlögels Vermögen ist laut Gutachten auf rund vier Millionen Euro geschmolzen. Und bei der WBG stehen Unternehmenswerten von 48 Millionen Euro Schulden von 312 Millionen Euro gegenüber.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits wegen Verdachts auf Untreue, Betrug und Insolvenzverschleppung. Schlögel äußert sich dazu nicht. Jetzt untersucht Flöther auch mögliche Schadensersatzansprüche gegen Wirtschaftsprüfer und Geschäftspartner der WBG.

(Quelle: http://www.wiwo.de/pswiwo/fn/ww2/sfn/buildww/id/126/id/213898/fm/0/SH/0/depot/0/)
 
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