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Das vergangene Jahr war bereits das zweite mit Schwankungen des Silberpreises (Kassa) von weniger als einen Dollar je Unze. Das Hoch 2000 wurde im Februar verzeichnet, und mit einem Schluß von 495,5 Cents je Unze (29.12.2000) wechselte Silber ins dritte Jahrtausend über. Der Durchschnittspreis des vergangenen Jahres war der niedrigste der letzten drei Jahre; die Schwankungsbreite war die geringste seit acht Jahren.
Dies vollzog sich vor einer Fundamentalbilanz, die Analytiker als Defizit bezeichnen, denn die Produktion aus Minen und Wiederaufarbeitung silberhaltiger Abfälle reichte im vergangenen Jahr nicht zur Deckung der Nachfrage aus. Die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch wurde aus überirdischen Beständen gedeckt. Das Jahr 2000 war bereits das dritte aufeinanderfolgende, in dem die Produktion nicht zur Deckung des Bedarfs hinreichte.
Wir scheuen uns ein wenig, im Zusammenhang mit Silber das Wort Defizit zu gebrauchen. Denn seit Menschengedenken wird das Metall produziert und es existieren keine verläßliche Schätzungen zu den auf der Welt vorhandenen Beständen; es existieren lediglich Schätzungen zu den bekannten Beständen. Das Jahr 1980 machte klar, daß zu den nominalen Beständen nicht nur Barren, sondern auch Schmuck und aus Silber gefertigtes Haushaltsgerät gezählt werden muß. Es ist nur eine Frage des Preises, wann nach in Barrenform gehaltenem Silber auch als Schmuck und Sterling gehaltenes Metall für das Angebot freigesetzt wird.
Die Neuproduktion aus Minen stieg in 2000 im sechsten aufeinanderfolgenden Jahr und erreichte einen Umfang von 487 Mio. Unzen. Für das laufende Jahr wird mit 480 Mio. Unzen eine leicht geringe Neuproduktion erwartet. Die Aufarbeitung silberhaltiger Abfälle, Schmuck und numismatisch uninteressanter Münzen erreichte in 2000 mit 206 Mio. Unzen das zweithöchste Volumen seit 1980. Hinzu kamen Verkäufe aus staatlichen Beständen in Höhe von 35 Mio. Unzen. Zählt man Neuproduktion, Aufarbeitung und Bestandsfreisetzung zusammen, so belief sich das Angebot des vergangenen Jahres auf 728 Mio. Unzen.
In den USA blieb die Neuproduktion aus Minen 2000 gegenüber 1999 unverändert und lag bei 65 Mio. Unzen. Die Bedienung der spekulativen Käufe der Berkshire Hathaway Gruppe (vom März 1998) machten die USA 1998 zu einem Nettoexporteur. Doch 1999 importierten die USA netto wieder mehr Silber als sie ausführten. Die Importe des vergangenen Jahres umfaßten nach amtlichen Statistiken 129 Mio. Unzen. Das von der Silver Users Association für 2000 gemeldete Gesamtangebot von 194 Mio. Unzen für die USA entspricht damit recht genau der Summe von Neuproduktion und Importen.
Eine andere Schätzung siedelt den amerikanischen Verbrauch des vergangenen Jahres bei 248 Mio. Unzen an. Es anzunehmen, daß in jener Schätzung auch der Verbrauch der amerikanischen Münze berücksichtigt wurde, deren Silbermünzen sich in USA wachsender Beliebtheit erfreuen. Allerdings ist der Verbrauch der U. S. Mint vorläufig noch marktneutral. Das Metall stammt aus Staatsbeständen, die für das normale Angebot nicht zur Verfügung stehen. Die wachsende Beliebtheit von Silbermünzen trägt die Bestände zwar kontinuierlich ab, doch die Bestände wurden unlängst durch einen Transfer von 15 Mio. Unzen aus dem Besitz der Defense Logistic Agency an das Finanzministerium (dem die Münze untersteht) erhöht. Vorläufig leitet sich aus der Beliebtheit von Silbermünzen noch kein Hausseargument her.
Der industrielle Verbrauch nahm in USA in 2000 gegenüber 1999 um 12 Mio. Unzen auf 191 Mio. Unzen zu. Den größten Verbrauch wies die photographische Industrie mit 104 Mio. Unzen aus. Zweitgrößter Verbraucher war die Elektronikbranche mit 38 Mio. Unzen. Der drittgrößte Verbraucher war die Schmuckbranche mit 16 Mio. Unzen.
In den vergangenen elf Jahren, die meist mit einer Lücke zwischen Produktion und Nachfrage daherkamen, wurden weltweit aus Beständen insgesamt 1,6 Mrd. Unzen für das Angebot freigesetzt. Die schwierige Frage ist, welchen Preis die Freisetzung zur Deckung des auch in der Zukunft erwarteten Produktionsdefizits erfordern wird. Das Jahr 1993 machte klar, daß innerhalb einer Baisse auch ein Preis von 355 Cents je Unze von Silberbesitzern als attraktiv angesehen werden kann.
Die große Unbekannte für den amerikanischen Markt ist die amerikanische Münze. Im Jahre 1999 wurde ein Gedenkmünzenprogramm eingeführt, bei der anstelle der regulären Vierteldollarstücke jedes Jahr fünf verschiedene Vierteldollarstücke geprägt werden, die je einen Bundesstaat ehren. Dieses Programm löste einen Sammlerboom aus, der nicht nur den sogenannten Statehood Quarters, sondern allen amerikanischen Münzen und dabei insbesondere den Silbermünzen gilt. Dies veranlaßte die Münze, neben den Umlaufmünzen nicht nur Spiegelglanzausfürhungen, sondern auch Vierteldollarstücke in Silber zu prägen. Der resultierende Verbrauch wird die Silberbestände der U. S. Mint Ende des kommenden Jahres erschöpft haben. Die Münze wird für die Weiterführung ihres Silbermünzen-Programme also spätestens im kommenden Jahr Metall am Markt einkaufen müssen. Die derzeitigen Bestände werden auf 52 Mio. Unzen geschätzt. Falls die Erwartung einer Erschöpfung dieser Bestände im kommenden Jahr zutrifft, ergibt sich hieraus ein rechnerischer, jährlicher Bedarf der Münze von 33 Mio. Unzen.
Ein anderer Faktor für die fundamentale Zukunft des Silbermarktes ist die Entwicklung der Märkte für Industriemetalle; beispielsweise die des Kupfermarktes. Nur wenige Produzenten arbeiten primär als Silbererzeuger. Sehr viel häufiger ist Silber ein Abfallprodukt der Zink-, Blei- und Kupferproduktion.
Die unbefriedigende Entwicklung der Kupferpreise veranlaßte einige Erzeuger in den letzten Monaten, ihre Produktionen zu drosseln. In USA fährt beispielsweise das Unternehmen Phelps Dodge die Produktion um 80.000 Tonnen zurück. Diese und andere Drosselungen senken nicht nur die amerikanische Kupfererzeugung, sondern senken auch die von Silber. Analytiker schätzen, daß das weltweite Defizit zwischen Erzeugung und Bedarf für dieses Jahr schon bei 151 Mio. Unzen liegt und weiter steigen wird.
Die Silbernotierungen zogen ab der Monatsmitte an und hielten sich in der vergangenen Woche fest, als Gold in eine Korrektur eintrat und schwächer notierte. Dieses Verhalten wird von Haussiers als Zeichen von Stärke gewertet und sie raten deshalb zu Käufen. Wir rechnen aus den am 04.04.01 in Ausgabe 1053 dargelegten Gründen zwar mit langfristig höheren Preisen, doch erwarteten wir bis in den Spätsommer einen schwachen Verlauf.
Sollte bei Julisilber in den kommenden Tagen die Marke von 450 Cents nicht unterboten werden, geben wir unsere kurzfritig negative Einschätzung auf und kaufen einen Kontrakt Julisilber.
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