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Der Terminmarkt für Schlachtrinder sorgte in der vergangenen Woche für erheblichen Nervenkitzel, und so manchem Trader dürfte die Abfolge von Limit-Up und Limit-Down stark mitgenommen haben. Die Parketthändler erklären das Geschehen mit unzureichender Liquidität. Seit den Anschlägen des elften Septembers stelle man in der Bevölkerung generell eine erheblich verringerte Risikobereitschaft fest, die sich auch in nachlassender Teilnahme privater Spekulanten niederschlage. Für etliche Märkte sei die Kleinspekulation so entscheidend, daß der Abkehr von der Terminspekulation die Preise entweder in die Knie zwinge. Oder, wie bei Rindern, zu erhöhter Schwankungsanfälligkeit der Notierungen führe.
Abstrahiert man weitergehende Erklärungen, so gelangt man im Kern stets zum elften September dieses Jahres. Die Verbraucher erwarten als Folge dieses Tages eine Rezession in den Vereinigten Staaten. Rezession werde von vielen mit unsicheren, persönlichen Zukunftsperspektiven gleichgesetzt. Die Folge davon sei ein preisbewußteres Konsumverhalten, unter dem Rindfleisch auf lange Sicht leiden werde.
Es komme hinzu, so ist zu hören, daß in der vom elften September ausgehenden Verunsicherung die Angriffe mit biologischen Waffen das Alltagsverhalten der amerikanischen Bevölkerung nachhaltig verändere. Die großen Einkaufszentren klagen über einen Mangel an Publikumsverkehr, und damit verbunden: auch über nachlassende Umsätze. Der Grund ist nicht nur ein preisbewußteres Konsumverhalten, der Grund ist auch, daß Amerikaner nun bewußt Orte meiden, die Ziel terroristischer Anschläge werden könnten. Und das sind in den USA neben Sportstadien und Flughäfen auch und besonders die riesigen, als Malls bekannten Einkaufszentren.
Dieser Zusammenhang zwischen Konjunktur und Rindfleischverbrauch wird immer wieder behauptet, doch es läßt sich in der Vergangenheit kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen beiden ermitteln. Zutrifft bestenfalls, daß Verbraucher in Rezessionen nicht so häufig in Restaurants speisen werden. Vergleicht man aber die in der Gastronomie verlangten Preise mit denen an der Supermarkttheke, so wäre eher mit einem steigendem Verbrauch zu rechnen, denn im Supermarkt erhält man fürs gleich Geld erheblich mehr Rindfleisch.
Aber auch für diesen Umkehrschluß läßt sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen Nachfrage und Konjunktur finden. Es ist daher zu vermuten, daß beide Annahmen entweder falsch sind, oder sich gegenseitig in ihren Wirkungen aufheben. Eine gegenseitig aufhebende Wirkung würde erklären, warum ein von der Statistik verneinter Zusammenhang sich dennoch und hartnäckig in den Fleischmärkten halten kann.
Der jüngere Charteindruck paßt nicht recht zu den realen Entwicklungen von Angebot und Nachfrage. In den vergangenen 30 Monaten zog die Mastpopulation auf Rekordwerte an. Aber die Schlachtungen gaben nach. Im laufenden Jahr behinderte anfangs arktische Kälte den Auftrieb an den Schlachthäusern. Die Kälte behinderte auch die Einstellungen auf Mast, was die Schlachtangebote für die Sommermonate reduzierte. Die Mäster machten dies aber im Mai und Juni mehr als wett, was für den Herbst eine starke Zunahme des Schlachtangebots und der Schlachtzahlen erwarten ließ. Der Herbst ist da, aber die Schlachtungen verlaufen um 4% bis 5% unter denen des Vorjahres. Die in den letzten Wochen verzeichneten Schlachtgewichte liegen über denen des Vorjahres, und diese Tatsache läßt vermuten, daß die Mäster Tiere vom Markt zurückhalten. Da allerdings auch ihnen das Volumen der sommerlichen Einstellungen auf Mast und deren wahrscheinliche Folgen bekannt sein dürften, ist die Vermutung, daß die Mäster absichtlich die Vermarktung von Tieren in eine Phase steigenden Angebots (und niedrigerer Preise) verschleppen, nicht ganz einleuchtend. Die über Vorjahr verlaufenden Schlachtgewichte erlauben jedoch keine andere Erklärung. Deswegen stellen wir uns bei Live Cattle auf eine Fortsetzung der Preisschwäche ein.
Die Ernteschätzungen dieses Monats waren für die Futtergetreide ein Schlag ins Kontor (siehe dazu Ausgabe 1081 vom 17.10.2001). Sinkende Futtermittelpreise steigern die Gewinnmargen der Fleischtierzucht, und sie sind deshalb potentiell hausseträchtig für Mastkälber, zumal das Zinsklima in den USA den Effekt sinkender Futtermittelpreise nicht über steigende Kosten bei der Kapitalaufnahme ausgleichen wird. Die steigende Profitmarge der Fleischtierzucht steigert nicht nur die Nachfrage nach Jungtieren; sie erlaubt es den Mästern auch, höhere Preise für Jungtiere zu zahlen.
Ein Blick in die Vergangenheit bestätigt die Richtigkeit dieser Überlegung. Wann immer Mais in den vergangenen 25 Marktjahren während der Ernteeinbringung billig war, folgte im vierten Quartal ein bis weit in den Januar reichender Preisanstieg bei Feeder Cattle (jeweils auf Lieferung Januar) nach. Lediglich in der Saison 2000/01 wurden niedrige Maispreise nicht von höheren Notierungen für Feeder Cattle bestätigt. Allerdings schlossen Januar-2001-Feeder-Catlle am 02.01.2001 mit 91,97, und bestätigten so über einen höhere Notierung ebenfalls den Zusammenhang zwischen niedrigen Mais- und steigenden Mastrindnotierungen:
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